Der Soldatenmann

Veröffentlicht: Dezember 10, 2015 in Jugoslawienkrieg

In der ersten Nacht meines Aufenthaltes im Kosovo im April 2001 wurde ein Granatenanschlag auf eine serbische Familie verübt, wobei ein Mädchen schwer verletzt worden ist. Damals wertete ich diesen Anschlag,  bei dem ein ethnisch motivierter Hintergrund naheliegend war, als Folge des angeblichen „Genozids“ an Albanern. Doch die Wirklichkeit sah anders aus und die große Flüchtlingswelle geriet erst mit den Bombardements der NATO in Bewegung – die meisten zivilen Opfer wurden in diesem Zeitraum getötet. Die Verbrechen an Serben gelangten in das Land des großen (Ver)Schweigens.

 

Es dürfte für Journalisten nicht schwer sein, die Gräuel an Serben allein aus den letzten 15 Jahren zu ermitteln, denn schließlich liegen der OSZE die Zahlen vor. Hier ein Ausschnitt aus dem Roman „Der Soldatenmann“ von Hans Ragnitz. Der Inhalt wurde von STERN und ZEIT überprüft und als seriös dargestellt. Allerdings wurde nur thematisiert, dass Deutsche Bundeswehrsoldaten ohne Mandat albanische Gefangene im Gefängnis in Dubrava bewachen mussten unter dem Diktat der Amerikaner. DUBRAVA ist das Gefängnisgebäude, in dem die Männer der Djakovica-Gruppe untergebracht waren, für deren Freilassung ich mich engagierte und das am 22. Mai 1999 dreimal von der NATO bombardiert wurde. Die NATO-Bomben-Opfer wurden am UN-Tribunal (ICTY) in Den Haag in Massakeropfer umetikettiert, genau wie die Gefechtsopfer aus Racak und Rugovo (Kosovo, Januar 1999) ….und Srebrenica (Bosnien 1995 – daher sind die Toten, deren Überreste jährlich in einer von zahlreichen internationalen Journalisten und Pilgern begleiteten Bestattungszeremonie in Potocari (bei Srebrenica) als „Hinrichtungsopfer“ zu Grabe getragen werden)!!

 

(kurzer Hinweis: Die Beweisführung im Prozess gegen die Djakovica-Gruppe wurde als unseriös bezeichnet – die gesamte Gruppe, 144 Albaner, wurden auf internationalen Druck hin vom Obersten Serbischen Gerichtshof im April 2001 freigelassen),

 

Laut dem Bundeswehrsoldaten, der unter dem Pseudonym „Hans Ragnitz“ das Buch schrieb, wurde Dubrava aus strategisch wichtigen Gründen bombardiert. Was danach tatsächlich passierte bleibt nebulös, da das UN-Tribunal in Den Haag scheinbar den Auftrag hat, Kriegsverbrecher zu decken und nicht zu finden, denn es wird keine unlautere und unseriöse Praxis ausgelassen, um das von den Medien zurechtgeschnitte Bild des serbischen Aggressors aufrechtzuerhalten. Die Mittel, welche im Sumpf um den Strafgerichtshof für „Menschenrechte“ praktiziert werden, reichen vom Waterboarding und anderen Erpressungsversuchen, bis hin zu Einflussnahme auf die Richter, Vernichtung von (Gegen)-Beweisen, Korruption und der Beseitigung von Zeugen und Angeklagten. Die Auftraggeber dürften noch ermittelt werden – allerdings benötigen wir hierfür eine höhere Instanz, die der UN/NATO übergeordnet ist.

 

Stell Dir vor es käme durch einen Roman zutage, dass in einem europäischen Land Minderheiten auf grausame Art gejagt und ermordet würden – bis in die Gegenwart. Wie wären die Reaktionen in der Öffentlichkeit? Das keine erfolgen, ist jedoch schon seit über 25 Jahren Gewohnheit für die serbische Bevölkerung.

Auf Gefährlichen Pfaden (Seite 197 aus „Soldatenmann“)

»Während der nächsten Tage bin ich mit Hoffi im gesamten Einsatzraum unserer Brigade in wichtiger Mission unterwegs. Eine Expertenkommission der serbischen Regierung aus Belgrad hat sich angekündigt. Sie will im kommenden Monat anreisen, um sich ein Bild über das Ausmaß an Zerstörungen christlich-orthodoxer Einrichtungen und Kirchen im Kosovo machen. Nicht nur während des Krieges wurden viele Kirchen und Denkmäler zerstört, insbesondere in der Nachkriegszeit – als sich die serbische Armee aus dem Territorium der Kosovaren zurückzog- kannten Hass und Wut der Albaner auf die ehemaligen Besatzer keine Grenze. Sie rächten sich bitter an den zurückgebliebenen serbischen Familien und brandschatzten ihre Häuser. Wer nicht rechtzeitig fliehen konnte, wurde vom aufgebrachten Mob gedemütigt oder gar getötet. Dies betraf zumeist ältere Serben, die nicht mehr weglaufen wollten oder konnten. Noch bis in die Gegenwart finden immer wieder Übergriffe auf noch vereinzelt hier lebende Serben statt. Velika Hoča zum Beispiel, eines der letzten serbischen Dörfer in der Nähe von Orahovac, ist komplett eingezäunt und wird von einer eigens dafür abgestellten Task Force der Bundeswehr rund um die Uhr bewacht.

Kuntz kann ein Lied davon singen. Während seines letzten Einsatzes in Prizren drangen manche Täter oftmals nachts in die Wohnungen ihrer Opfer ein und schlachteten sie brutal dahin. Leichname mit durchgeschnittenen Kehlen, ausgestochenen Augen und erhängte Serben standen auf der Tagesordnung. Die Kosovaren drehten den Spieß einfach um. Das, was ihnen und ihren Familien durch serbische Milizen widerfahren war, wurde nun den Unschuldigen zum Verhängnis. Nachbarn töteten ehemals befreundete Nachbarn. Immer häufiger kam es auch zu Mordfällen durch Schusswaffen und das gab schließlich den Anstoß für die häufigen Hausdurchsuchungen durch KFOR-Kräfte. Weil man die verbliebenen serbischen Familien schützen wollte, wurden deren Häuser durch unsere Soldaten mit Farbkreuzen markiert. So sollten sich die eingesetzten Kräfte besser orientieren können, um gezielt gegen Übergriffe vorzugehen. Ein großer Fehler, wie sich bald herausstellte. Die ständige Überwachung der Häuser konnte selbst KFOR nicht gewährleisten, wohl wussten aber nun die Mörder und Räuber aufgrund der Markierungen, wo sie noch jemanden vergessen hatten. So ging das grausame Gemetzel weiter. WO keine Übergriffe auf Menschen mehr möglich waren, verging man sich nun an ihren Glaubenszeichen und religiösen Einrichtungen. Denkmäler wurden verwüstet und ganze Kirchen beseitigt. Teilweise blieb kein Stein mehr auf dem anderen.
Die entstandenen Sachschäden übertreffen jegliche Vorstellung. Doch geht es eben nicht nur ums Geld. Die immateriellen Werte und kulturellen Schätze sind für immer verloren. Was noch an Kostbarkeiten vorhanden war, wurde geplündert.«

Der STERN berichtete im September 2013 über das Gefangenenlager in Dubrava.

http://www.stern.de/politik/deutschland/lager-im-kosovo-die-vergessenen-gefangenen-der-bundeswehr-2055273.html

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